Kurzzusammenfassung
– 2022 wurde zum Jahr der Überraschungen: Everything Everywhere All at Once räumte sieben Oscars ab, und Im Westen nichts Neues gewann als erste deutsche Netflix-Produktion vier Academy Awards – darunter Bester Internationaler Film.
– Gleichzeitig bewies Top Gun: Maverick, dass Blockbusterkino nicht durch Streaming ersetzbar ist – der Film spielte weltweit über 1,4 Milliarden Dollar ein.
– Wer 2022 verpasst hat, findet dort einen der vielseitigsten Jahrgänge seit Jahren: Arthouse, Blockbuster und ein deutsches Meisterwerk auf internationalem Spitzenniveau.
Warum 2022 das Jahr der kreativen Außenseiter war – und ein deutsches Meisterwerk
2022 war kein gefälliges Kinojahr. Es war eigensinnig, widerborstig und stellenweise schwer zugänglich – und genau das macht es im Rückblick so interessant. Die Filme, über die am meisten geredet wurde, kamen selten aus dem Mainstream. Triangle of Sadness von Ruben Östlund gewann die Goldene Palme in Cannes mit einer Gesellschaftssatire, die Superreiche und Modelbranche gleichermaßen seziert. Decision to Leave von Park Chan-wook holte in Cannes den Regiepreis – ein koreanischer Neo-Noir-Thriller, der auch Jahre später nachwirkt.
Der stärkste deutsche Beitrag seit Jahren kam aus einer eher unerwarteten Richtung: Edward Bergers Im Westen nichts Neues, eine Netflix-Produktion nach Erich Maria Remarques Antikriegsroman, gewann bei den Oscars vier Preise – darunter Bester Internationaler Film, Beste Kamera und Beste Originalmusik. Der Film ist kompromisslos, visuell überwältigend und einer der wichtigsten deutschen Kinomomente des Jahrzehnts.
Die Oscar-Saison 2022: Everything Everywhere All at Once und die Übernahme
Kein Film hat die Oscars 2022 so dominiert wie Everything Everywhere All at Once von Daniel Kwan und Daniel Scheinert. Sieben Preise, darunter Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Michelle Yeoh), Bester Nebendarsteller (Ke Huy Quan) und Beste Nebendarstellerin (Jamie Lee Curtis). Ein Multiversum-Film über eine chinesisch-amerikanische Wäschereiunternehmerin – produziert für rund 14 Millionen Dollar, gefeiert wie ein Blockbuster.
Das Besondere daran: Ke Huy Quans Comeback nach jahrzehntelanger Abwesenheit aus Hollywood war eine der bewegendsten Randgeschichten der gesamten Awards-Saison. Wer ihn als Kind aus Indiana Jones oder The Goonies kennt, versteht, warum der Moment etwas größer war als eine Trophäe.
Ebenfalls bemerkenswert: The Banshees of Inisherin von Martin McDonagh – acht Oscar-Nominierungen, Colin Farrell und Brendan Gleeson auf einer irischen Insel, eine Freundschaft, die sich aus Gründen auflöst, die nie ganz rational werden. Einer der klügsten und bittersten Filme des Jahres.
Top Gun: Maverick, Avatar 2 und der Beweis, dass das Kino mehr ist als ein Streaminggerät
2022 war auch das Jahr, in dem Blockbusterkino seinen Platz behauptete. Top Gun: Maverick mit Tom Cruise war mehr als eine Fortsetzung – er war eine Demonstration: Für den Film wurde auf echte Kampfjet-Aufnahmen bestanden, der Soundtrack sitzt, die Nostalgie ist kalkuliert, aber nicht billig. Über 1,4 Milliarden Dollar Einspielergebnis weltweit sprechen für sich. Niemand schaut diesen Film auf dem Telefon.
Avatar: The Way of Water von James Cameron legte im Dezember nach – 13 Jahre nach dem ersten Teil, technisch erneut grenzwertig, erzählerisch gespalten bewertet. Rund 2,3 Milliarden Dollar an den Kinokassen zeigen: das Publikum wollte genau das.
Welche Filme aus 2022 heute noch einen Abend wert sind
Für den anspruchsvollen Abend: Aftersun von Charlotte Wells – ein Debütfilm über eine Vater-Tochter-Beziehung, der sich erst im Nachhinein vollständig entfaltet. Paul Mescal spielt darin eine seiner besten Rollen. Im Westen nichts Neues ist Pflichtprogramm, auch und besonders für alle, die den Roman kennen.
Für einen unterhaltsamen Abend ohne großen Anspruch: Top Gun: Maverick funktioniert auch beim dritten Mal. Everything Everywhere All at Once ist ein guter Test, wie viel kreatives Chaos man verträgt – und belohnt Geduld mit einer der emotionalsten Schlussszenen des Jahrzehnts.
Häufige Fragen
Welcher Film gewann 2022 den Oscar für den besten Film?
Everything Everywhere All at Once von Daniel Kwan und Daniel Scheinert gewann bei den 95. Academy Awards den Oscar für den besten Film – insgesamt sieben Preise in einer Nacht, was ihn zum meistausgezeichneten Film der Oscargeschichte seit Jahren macht.
Welcher deutsche Film war 2022 erfolgreich?
Im Westen nichts Neues von Edward Berger war der herausragende deutsche Beitrag des Jahres. Die Netflix-Produktion gewann vier Oscars, darunter Bester Internationaler Film und Beste Kamera, und wurde international als einer der eindringlichsten Antikriegsfilme der letzten Jahrzehnte gefeiert.
Was ist der beste Film 2022 für einen entspannten Abend?
Top Gun: Maverick ist die unkomplizierteste Empfehlung: spannend, handwerklich makellos und ohne Vorkenntnisse zugänglich. Wer etwas Anspruchsvolleres sucht, liegt mit The Banshees of Inisherin richtig – ungewöhnlich, aber nie langweilig.
