Kurzzusammenfassung
– 2023 war das Jahr von Barbenheimer: Barbie und Oppenheimer starteten am gleichen Tag und spielten zusammen über 2,3 Milliarden Dollar ein – ein kulturelles Kinoereignis, das kein Algorithmus hätte vorhersagen können.
– Oppenheimer gewann sieben Oscars inklusive Bester Film; The Zone of Interest mit seinem Auschwitz-Bezug räumte den Preis für den besten internationalen Film ab.
– Wer 2023 noch nicht vollständig aufgearbeitet hat, findet dort einen der dichtesten Jahrgänge seit langem – von Blockbuster-Phänomenen bis zu stillen Meisterwerken.
Barbenheimer – wie zwei völlig verschiedene Filme das Kino 2023 gerettet haben
Der 21. Juli 2023 wird in die Filmgeschichte eingehen. An diesem Tag starteten Barbie von Greta Gerwig und Oppenheimer von Christopher Nolan gleichzeitig in den deutschen Kinos – und das Publikum spielte mit: Pink für Barbie, Dunkel für Oppenheimer, wer konnte, schaute beide am selben Tag. Zusammen spielten sie allein im Eröffnungswochenende weltweit über zwei Milliarden Dollar ein.
Was das Besondere daran war: nicht die Zahlen, sondern das Phänomen selbst. In einer Ära, in der Streaming und Algorithmen jeden Filmgeschmack auseinanderziehen, saß plötzlich die ganze Gesellschaft wieder über denselben zwei Filmen. Barbie wurde zum feministischen Kulturkommentar, den man mögen, hassen oder endlos diskutieren konnte. Oppenheimer war das Gegenteil – drei Stunden moralische Schwere, kein CGI-Spektakel, nur Handwerk und Geschichte. Greta Gerwig wurde mit Barbies 1,44 Milliarden Dollar Einspielergebnis zur erfolgreichsten weiblichen Regisseurin der Filmgeschichte.
Oppenheimer, Poor Things, Killers of the Flower Moon: Die Oscar-Saison 2023 im Rückblick
Oppenheimer dominierte die Oscars 2024 mit sieben Preisen, darunter Bester Film, Beste Regie für Christopher Nolan – lange überfällig – und Bester Hauptdarsteller für Cillian Murphy. Robert Downey Jr. gewann als Bester Nebendarsteller: ein Comeback, das in dieser Form kaum jemand vorhergesehen hatte.
Poor Things von Yorgos Lanthimos war das schrillste Werk des Jahres: Emma Stone als wiedergeborene Frau im viktorianischen Fantasyrahmen, surreal, körperbetont, von Stone mit einer Energie gespielt, die einen Oscar mehr als rechtfertigte.
The Zone of Interest von Jonathan Glazer gewann den Oscar für den besten internationalen Film – und ist der eigenwilligste Film dieser Liste. Kein Blut, keine Lagerszenen: Glazer zeigt das Familienleben des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höss direkt neben dem Lager. Was man nicht sieht, ist das Erschreckendste. Für ein deutsches Publikum hat dieser Film eine Schicht, die anderen fehlt.
Martin Scorseses Killers of the Flower Moon erhielt zehn Oscar-Nominierungen und ging dennoch fast leer aus. Lily Gladstone, nominiert als erste Native-American-Frau in der Hauptdarstellerinnen-Kategorie, verlor gegen Emma Stone – der Film selbst bleibt: dreieinhalb Stunden amerikanische Urgeschichte, ohne Beschönigung.
Jenseits der Awards: Saltburn, Past Lives und die Geheimtipps des Jahres
Saltburn von Emerald Fennell teilte das Publikum wie kaum ein anderer Film des Jahres – Barry Keoghan als Eindringling in einem englischen Herrenhaus, dunkel, manipulativ, mit einem Schluss, über den noch lange geredet wurde. Past Lives von Celine Song war das stille Gegenstück: ein Debütfilm über zwei Koreaner, deren Lebenswege sich nach Jahren kreuzen, emotional so präzise, dass er trotz keiner einzigen Auszeichnung zu den meistdiskutierten Arthouse-Filmen des Jahres gehört.
Anatomy of a Fall von Justine Triet gewann die Goldene Palme in Cannes und später den Oscar für das beste Originaldrehbuch – ein französisches Gerichtsdrama, das mehr Fragen stellt als beantwortet. Spider-Man: Across the Spider-Verse legte animationstechnisch die Messlatte so hoch, dass konventionell animierte Filme danach einen schweren Stand haben.
Welche Filme aus 2023 heute noch einen Abend wert sind
Für den anspruchsvollen Abend: Past Lives und The Zone of Interest. Für einen, der nachwirkt – im Guten wie im Schlechten: Saltburn. The Holdovers von Alexander Payne ist die entspannteste Empfehlung des Jahrgangs: ein schrulliger Professor und ein Schüler in den Weihnachtsferien, witzig, warm, Da’Vine Joy Randolph in einer Oscar-prämierten Nebenrolle.
Oppenheimer braucht Zeit und Lautstärke. Wer ihn bisher nur auf dem Laptop kannte, sollte ihn noch einmal auf großem Bildschirm mit gutem Ton nachholen.
Häufige Fragen
Was war Barbenheimer?
Barbenheimer war das kulturelle Phänomen rund um den gleichzeitigen Kinostart von Barbie und Oppenheimer am 21. Juli 2023. Das Publikum verabredete sich, beide Filme an einem Tag zu sehen – oft in Pink für Barbie und Schwarz für Oppenheimer. Zusammen spielten sie weltweit über 2,3 Milliarden Dollar ein und retteten das Kinojahr.
Welcher Film gewann 2024 den Oscar für den besten Film?
Oppenheimer von Christopher Nolan gewann bei den 96. Academy Awards den Oscar für den besten Film – nach jahrzehntelanger Wartezeit auf einen Regie-Oscar für Nolan, der ebenfalls ausgezeichnet wurde. Cillian Murphy und Robert Downey Jr. gewannen in den Schauspielkategorien.
Was ist der beste Film 2023 für einen entspannten Abend?
The Holdovers von Alexander Payne ist die zugänglichste Empfehlung: warm, witzig und mit einer Oscar-prämierten Nebenrolle von Da’Vine Joy Randolph. Wer es etwas kantiger mag, greift zu Saltburn – polarisierend, aber garantiert unvergesslich.
