Als „Schussfahrt“ 1969 in die Kinos kam, erwarteten viele Zuschauer einen klassischen Sportfilm mit Triumph am Ende. Stattdessen bekamen sie einen kühlen, fast dokumentarischen Blick auf den Leistungssport, der bis heute nachwirkt. Regisseur Michael Ritchie inszenierte mit „Downhill Racer“, so der Originaltitel, sein Debüt – und schuf dabei ein Porträt des Skisports, das radikal unsentimental blieb.
Ein Antiheld auf Skiern
Robert Redford spielt David Chappellet, einen ehrgeizigen amerikanischen Abfahrtsläufer, der um jeden Preis zum Olympiasieger werden will. Anders als in typischen Sportfilmen ist Chappellet kein sympathischer Underdog, sondern egozentrisch, distanziert und schwer zugänglich. Gene Hackman spielt seinen Trainer, der vergeblich versucht, den narzisstischen Aufsteiger zu zügeln. Der Film verweigert seinem Publikum die übliche emotionale Erlösung: Sieg bedeutet hier nicht automatisch Glück, und Chappellets Erfolg macht ihn nicht zu einem besseren Menschen. Diese Weigerung, Charakterentwicklung im klassischen Sinn zu liefern, irritierte 1969 viele Kritiker und Zuschauer, die einen konventionelleren Aufstieg erwartet hatten.
Dreharbeiten mit echten Rennfahrern
Besonders bemerkenswert ist die Machart des Films. Ritchie ließ auf echten Weltcup-Pisten drehen und setzte auf am Körper und an Skiern montierte Kameras, um das Renntempo unmittelbar einzufangen – eine Technik, die damals ungewöhnlich war und den Zuschauer buchstäblich in die Perspektive des Läufers versetzt. Der österreichische Skirennfahrer Karl Schranz fungierte als Stunt-Double für Redford in den gefährlichsten Abfahrtsszenen, was den Aufnahmen eine Authentizität verlieh, die mit reiner Studiotechnik nicht zu erreichen gewesen wäre. Die Kombination aus dokumentarischem Stil und Spielfilmdramaturgie machte „Schussfahrt“ zu einem der ersten Filme, die Sport nicht als Kulisse, sondern als eigenständiges, fast journalistisches Sujet behandelten. Wer sich von diesen Bildern selbst zu einem Winterurlaub in den Bergen inspirieren lässt, findet mit dem Wellnesshotel in Fieberbrunn – Entspannung pur in den Bergen einen passenden Ausgangspunkt abseits der Piste.
Warum der Film seiner Zeit voraus war
Kommerziell war „Schussfahrt“ bei seinem Kinostart kein großer Erfolg – das Publikum tat sich schwer mit einem Hauptdarsteller, der keine klare moralische Entwicklung durchlief. Genau das aber gilt heute als die große Stärke des Films. „Schussfahrt“ nahm eine Erzählhaltung vorweg, die erst Jahrzehnte später zum Standard des ernsthaften Sportfilms wurde: die Ablehnung einfacher Heldennarrative zugunsten eines nüchternen Blicks auf Ehrgeiz, Einsamkeit und die Kosten des Gewinnenwollens. Spätere Filme über Leistungssport, von „Moneyball“ bis zu diversen Dokudramen über Einzelsportler, greifen erkennbar auf das Vokabular zurück, das Ritchie hier entwickelte.
Auch handwerklich, mit seiner rauen, fast reportagehaften Kameraarbeit, wirkt der Film moderner als viele seiner gleichaltrigen Genrekollegen. Heute gilt „Schussfahrt“ unter Filmhistorikern als unterschätzter Klassiker, der zeigt, dass ein Sportfilm auch ohne triumphalen Schlussakkord auskommen kann. Wer Robert Redford nur aus glamouröseren Rollen kennt, entdeckt hier einen Schauspieler, der bewusst auf Sympathiepunkte verzichtet – zugunsten eines schonungslos ehrlichen Charakterporträts, das dem Zuschauer keine einfachen Antworten liefert, sondern ihn mit den Widersprüchen des Wettkampfsports allein lässt.
Späte Anerkennung durch Kritik und Fachwelt
Erst mit den Jahren setzte sich die Einschätzung durch, dass „Schussfahrt“ seiner Entstehungszeit tatsächlich voraus war. Filmkritiker und Regisseure begannen, den Film als eigenständigen Meilenstein des amerikanischen New-Hollywood-Kinos zu würdigen, das Ende der 1960er-Jahre ohnehin begann, klassische Genrekonventionen aufzubrechen.
Redford selbst, der den Film auch als Produzent mitverantwortete, bezeichnete das Projekt später als eine seiner persönlich wichtigsten Arbeiten, weil es ihm erlaubte, gegen sein damaliges Image des makellosen Leinwandhelden zu arbeiten. Auch aus sportlicher Perspektive gilt der Film bis heute als bemerkenswert genau: Skirennfahrer und Trainer loben immer wieder, wie realistisch Ritchie das Innenleben des Renngeschehens, die ständige Konkurrenz innerhalb eines Teams und den psychischen Druck des Spitzensports einfängt.
Diese doppelte Anerkennung, sowohl aus der Filmkritik als auch aus dem Sport selbst, hat „Schussfahrt“ über die Jahrzehnte den Ruf eines Geheimtipps eingebracht, der bei jeder Wiederentdeckung neue Bewunderer findet und regelmäßig in Listen der besten Sportfilme aller Zeiten auftaucht. Wer den Film heute erstmals sieht, erkennt darin oft überraschend viel Gegenwärtiges: den Druck ständiger Erfolgsmessung und öffentlicher Bewertung, dem heutige Athletinnen und Athleten ausgesetzt sind, hat Ritchie hier bereits in seiner analogen Vorform vorweggenommen.

