Kaum ein Genre ist im deutschen Fernsehen so verlässlich wie die Krimiserie. Wer sonntagabends den Fernseher einschaltet oder abends durch die Mediathek scrollt, landet fast zwangsläufig bei einem Kommissar, einer Soko oder einem Ermittlerduo, das irgendwo zwischen Ostsee und Bodensee einen Mordfall löst. Das Genre hat sich dabei in den vergangenen Jahren aufgefächert: Neben den traditionsreichen Reihen im linearen Programm etablieren sich zunehmend Streaming-Produktionen, die härter, urbaner und seriell anders erzählt sind als die klassischen 90-Minüter.
Kurzzusammenfassung
- Deutsche Krimiserien gliedern sich 2026 in drei Hauptformen: Episodenserien mit 45 bis 60 Minuten Länge, 90-minütige Krimi-Reihen und abgeschlossene Fernsehfilme, die vor allem bei ARD, ZDF und Sky Krimi laufen.
- Regionalkrimis wie Friesland, der Zürich-Krimi und der Bozen-Krimi sind seit über zehn Jahren im Programm und werden 2026 fortgesetzt, während Formate wie der Barcelona-Krimi und der Lissabon-Krimi bereits ausgelaufen sind.
- Mit „Im Grunde Mord“ bringt das ZDF 2026 einen neuen Event-Krimi mit Geschwistern als Ermittlerteam an den Start, angesiedelt im Teutoburger Wald.
- Auf Netflix zählen Dogs of Berlin und Crooks zu den meistbewerteten deutschen Krimiserien, während SOKO-Reihen und Sky Krimi das klassische Krimi-Publikum weiterhin mit wöchentlichen Fällen bedienen.
Die drei Grundformen deutscher Krimiserien
Wer sich im Angebot orientieren will, sollte zunächst die drei Erzählformen unterscheiden, die das Genre prägen. Episodenserien wie SOKO Leipzig oder SOKO Wismar laufen mit 45 bis 60 Minuten pro Folge und erzählen in jeder Ausgabe einen abgeschlossenen Fall, oft mit wiederkehrendem Ensemble über viele Staffeln hinweg. Krimi-Reihen dagegen, etwa Der Zürich-Krimi oder Friesland, bringen längere 90-minütige Einzelfilme, die seltener ausgestrahlt werden, dafür aber filmischer inszeniert sind und oft ein festes Ermittlerpaar über Jahre begleiten. Die dritte Kategorie bilden Einzelfilme und neue Serienformate, die als Event konzipiert sind, so wie der 2026 gestartete ZDF-Krimi Im Grunde Mord.
Diese Aufteilung ist mehr als eine Formalie. Sie erklärt, warum manche Reihen zwei Jahrzehnte lang laufen, während andere nach wenigen Staffeln enden. Episodenserien sind günstiger zu produzieren und damit auf lange Sicht kalkulierbarer, während aufwendig gedrehte Reihen stärker von Quote und Kritik abhängen.
Regionalkrimis: das Rückgrat des ZDF-Programms
Ein Blick ins ZDF-Programm zeigt, wie stark das Genre auf Regionalbezug setzt. Nord Nord Mord, Die Toten vom Bodensee, die Ostfriesenkrimis, der Taunuskrimi und der Erzgebirgskrimi verlegen die Ermittlung bewusst in eine konkrete Landschaft und machen die Region selbst zur Figur. Nord Nord Mord etwa läuft inzwischen in der dritten Staffel und gilt laut ZDF-eigenen Angaben als reichweitenstärkste Fiction-Marke des Senders im Jahr 2025.
Auch bei den überregionalen ARD-Reihen zeigt sich diese Beständigkeit: Der Bozen-Krimi bringt es seit 2015 auf 22 Folgen, Der Zürich-Krimi seit 2014 auf 25 Folgen, Friesland als Reihe seit 2014 auf 18 Folgen. Wer diese Zahlen mit klassischen Serienlaufzeiten vergleicht, versteht schnell, warum Kritiker dem deutschen Krimi gern eine gewisse Behäbigkeit vorwerfen. Genau diese Konstanz ist aber auch der Grund, warum Sender an den Formaten festhalten. Ein Publikum, das seit zehn Jahren treu einschaltet, lässt sich nicht leichtfertig aufgeben.
Nicht jede Reihe hält dieses Tempo durch. Der Barcelona-Krimi wurde Ende 2025 eingestellt, der Lissabon-Krimi bereits 2021. Beide galten als Ableger des Auslandskrimi-Trends, der internationale Schauplätze mit deutschen Ermittlerfiguren verband, aber offenbar nicht dieselbe Bindung beim Publikum erzeugte wie die heimischen Regionalformate.
Im Grunde Mord: der neue Event-Krimi des ZDF
Mit Im Grunde Mord startet das ZDF 2026 sein bislang jüngstes Krimi-Format. Die Serie ist im Teutoburger Wald rund um Detmold angesiedelt und setzt auf ein Geschwisterpaar als Ermittlerteam, ein Ansatz, der sich von den eingespielten Kommissar-Assistent-Konstellationen der älteren Reihen unterscheidet. Bislang existiert eine Staffel, die sowohl in der Primetime als auch in der ZDFmediathek läuft.
Solche Neustarts sind im Krimi-Genre selten geworden. Die meisten Sendeplätze werden von etablierten Marken belegt, die sich über Jahre bewährt haben. Dass das ZDF dennoch in ein komplett neues Format investiert, deutet darauf hin, dass auch beim Stammpublikum Bedarf an frischen Erzählmustern besteht, gerade weil viele Regionalkrimis sich in Grundstruktur und Tonlage stark ähneln.
Sky Krimi und die klassischen Ermittlerformate
Neben ARD und ZDF hat sich Sky Krimi als eigener Sender etabliert, der ausschließlich deutsche Krimiserien bündelt. Für 2026 listet das Programm unter anderem Der Staatsanwalt, Mord mit Aussicht, Notruf Hafenkante, Theresa Wolff – Der Thüringenkrimi sowie die SOKO-Ableger SOKO Hamburg und SOKO Potsdam. Die neuen Staffeln und Fälle laufen ab Januar 2026, etwa Notruf Hafenkante ab dem 7. Januar und Nachtschicht ab dem 14. Januar.
Was diese Sammlung ausmacht, ist weniger die einzelne Serie als das Prinzip dahinter: Sky Krimi funktioniert wie ein Archiv des deutschen Fernsehkrimis, in dem laufende und ältere Produktionen nebeneinander programmiert werden. Für Zuschauer, die sich durch das gesamte Genre schauen wollen, ist das eine der dichtesten Anlaufstellen, ohne auf mehrere Mediatheken zurückgreifen zu müssen.
Deutsche Krimiserien im Streaming: Dogs of Berlin und Crooks
Während das lineare Programm auf Kontinuität setzt, haben Streaming-Produktionen das Genre stilistisch verschoben. Dogs of Berlin, seit 2018 bei Netflix verfügbar, erzählt von zwei ungleichen Berliner Polizisten, die den Mord an einem Nationalspieler aufklären und dabei in Milieus von Clankriminalität, Neonazi-Netzwerken und politischer Korruption vorstoßen. Die Serie zählt mit rund 15.000 IMDb-Bewertungen zu den meistbewerteten deutschen Netflix-Produktionen überhaupt und zeigt ein Berlin, das mit den beschaulichen Kulissen der Regionalkrimis wenig gemein hat.
Ähnlich positioniert sich Crooks, ein 2024 gestarteter Action-Krimi mit Frederick Lau in einer der Hauptrollen, der zwischen Berlin, Wien und Marseille spielt und Kleinkriminelle in die Konflikte europäischer Unterwelten verstrickt. Mit rund 4.000 Bewertungen und einem Durchschnitt von etwa 7,0 von 10 Punkten bewegt sich die Serie auf solidem Niveau, deutlich unter den Werten von Dogs of Berlin, aber vergleichbar mit anderen internationalen Netflix-Krimis.
Wer zwischen beiden wählen muss, sollte sich an der eigenen Vorliebe orientieren: Dogs of Berlin punktet mit gesellschaftspolitischer Schärfe und einer dichten Berlin-Atmosphäre, Crooks liefert mehr Tempo und einen internationaleren Schauplatzwechsel. Für Zuschauer, die deutsche Großstadtkriminalität mit sozialem Unterbau suchen, ist Dogs of Berlin die klarere Wahl.
Bewertungen im Vergleich: von Kinderkrimi bis Mystery-Thriller
Die Bandbreite des Genres zeigt sich auch in den IMDb-Werten einzelner Nischenformate. Die Kinder- und Jugendkrimiserie Krimi.de, die zwischen 2005 und 2013 lief, kommt auf einen Score von 6,5 von 10 bei 44 Bewertungen, ein Wert, der die begrenzte Reichweite eines Nischenformats widerspiegelt. Deutlich höher liegt HIP – Ermittlerin mit Mords-IQ, seit 2021 im Programm, mit 7,6 von 10 Punkten bei 3.255 Bewertungen, eines der am besten bewerteten Formate im gesamten deutschsprachigen Krimi-Segment.
Auch der 2026 gestartete Mystery-Thriller Unfamiliar reiht sich mit rund 5.000 Bewertungen und einem Schnitt von 6,9 in das Mittelfeld ein. Diese Zahlen zeigen, dass Publikumszuspruch im deutschen Krimi nicht zwangsläufig an die großen Sendermarken gebunden ist. Kleinere, klar profilierte Produktionen wie HIP können bei entsprechender Erzählqualität ähnliche oder bessere Bewertungen erzielen als etablierte Reihen mit deutlich größerem Budget.
Häufige Fragen
Welche deutschen Krimiserien laufen 2026 neu an?
Der auffälligste Neustart ist Im Grunde Mord beim ZDF, ein Event-Krimi mit einem Geschwisterpaar als Ermittlerteam im Teutoburger Wald. Daneben bringt das ZDF im Krimi-Frühjahr 2026 neue Fälle von Havelland, Bodensee und Teutoburger Wald, mit Ausstrahlungsterminen ab dem 2. Mai in der ZDFmediathek und im linearen Programm.
Wo kann ich deutsche Krimiserien streamen?
Die ZDFmediathek bündelt sämtliche ZDF-Krimimarken von Der Alte über SOKO-Reihen bis Nord Nord Mord kostenlos. Netflix führt eigenproduzierte deutsche Crime-Serien wie Dogs of Berlin und Crooks, während Sky Krimi als spezialisierter Pay-TV-Sender ein durchgehendes Programm klassischer Ermittlerformate anbietet.
Welche deutsche Krimiserie hat die beste Bewertung?
Unter den hier verglichenen Formaten erreicht HIP – Ermittlerin mit Mords-IQ mit 7,6 von 10 Punkten bei über 3.200 Bewertungen den höchsten Wert. Bei den Netflix-Produktionen liegt Dogs of Berlin mit rund 15.000 Bewertungen deutlich vorn in der Reichweite, auch wenn der genaue Notenschnitt in den zugrunde liegenden Quellen nicht ausgewiesen ist.
Welche Krimireihen wurden zuletzt eingestellt?
Der Barcelona-Krimi endete Ende 2025, der Lissabon-Krimi bereits 2021. Beide gehörten zur Kategorie der Auslandskrimis, die deutsche Ermittlerfiguren in internationale Schauplätze versetzten, konnten sich beim Publikum aber offenbar nicht so nachhaltig etablieren wie die einheimischen Regionalkrimis.
Beitragsbild: KI-generiert

