158 Minuten, kein klassischer Held, keine erlösende Schlusspointe – und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, ein Film, der sich ins Gedächtnis brennt. There Will Be Blood startete am 14. Februar 2008 in deutschen Kinos und wurde schnell zum Gesprächsthema weit über den üblichen Cinephilen-Kreis hinaus. Der Grund war nicht nur die Geschichte, sondern vor allem eine Hauptdarstellung, die das Publikum in eine Art kollektive Sprachlosigkeit versetzte.
Kurzzusammenfassung
- Paul Thomas Andersons Historiendrama aus dem Jahr 2007 gilt als eines der bedeutendsten US-amerikanischen Filme der 2000er Jahre und erhielt bei den Oscars 2008 acht Nominierungen, darunter zwei Gewinne – für Daniel Day-Lewis als besten Hauptdarsteller und Robert Elswit für die beste Kamera.
- Daniel Day-Lewis spielt den Ölunternehmer Daniel Plainview in einer Darstellung, die Kritiker und Filmwissenschaftler bis heute als eine der stärksten Schauspielleistungen der Filmgeschichte einordnen.
- In Deutschland ist There Will Be Blood aktuell im Abo bei Paramount+ als Stream verfügbar; daneben existieren Blu-ray- und DVD-Ausgaben im Handel.
Worum geht es? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kämpft sich der Prospektor Daniel Plainview durch die kargen Böden Südkaliforniens – zunächst auf der Suche nach Silber, dann nach Öl. Als er auf Land mit enormen Reserven stößt, baut er ein Imperium auf. Seinen adoptierten Sohn H.W. präsentiert er als Beweis seiner Seriosität. In der Ortschaft, auf deren Grund das schwarze Gold liegt, trifft er auf den jungen Wanderprediger Eli Sunday – und damit auf seinen einzigen ebenbürtigen Gegenspieler. Was folgt, ist kein klassischer Konkurrenzkampf, sondern ein jahrzehntelanger psychischer Zermürbungskrieg zwischen Kapitalismus und Religion, zwischen zwei Männern, die einander auf unheimliche Weise ähneln.
Besetzung: Wer spielt wen?
Die Rollenverteilung des Films ist bewusst schlank gehalten. Neben der dominierenden Hauptfigur bleibt kaum Platz für voll ausgearbeitete Nebencharaktere – ein stilistisches Prinzip, das Anderson konsequent durchhält.
| Darsteller | Rolle |
|---|---|
| Daniel Day-Lewis | Daniel Plainview |
| Paul Dano | Eli Sunday / Paul Sunday |
| Dillon Freasier | H.W. Plainview |
| Kevin J. O’Connor | Henry Brands |
| Ciarán Hinds | Fletcher Hamilton |
| David Willis | Abel Sunday |
| Hope Elizabeth Reeves | Mary Sunday |
Bemerkenswert ist Paul Danos Doppelrolle als Zwillingsbrüder Eli und Paul Sunday. Die Entscheidung entstand kurzfristig während der Produktion – Dano übernahm die Rolle des Eli, nachdem die ursprüngliche Besetzung nicht funktioniert hatte, und wurde als Eli Sunday zur zweiten zentralen Kraft des Films. Sein Prediger, gleichermaßen charismatisch und manipulativ, bildet das dramatische Gegengewicht zu Day-Lewis‘ Plainview.
Oscars und Auszeichnungen: Was der Film gewann – und was er nicht gewann
Bei der 80. Oscar-Verleihung im Jahr 2008 war There Will Be Blood achtfach nominiert. Zwei Auszeichnungen kehrten mit nach Hause:
- Bester Hauptdarsteller – Daniel Day-Lewis
- Beste Kamera – Robert Elswit
Leer ausgegangen sind unter anderem die Nominierungen für Bester Film, Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch – in einem außergewöhnlich starken Jahrgang, in dem No Country for Old Men der Coen Brothers dominant abräumte. Eine seltene Konstellation, in der zwei Filme gleichen Formats und ähnlicher Wucht gegeneinander antraten.
Darüber hinaus gewann Day-Lewis im selben Zyklus den Golden Globe als bester Hauptdarsteller im Drama. Paul Thomas Anderson wurde bei der Berlinale 2008 mit dem Silbernen Bären für die Regie ausgezeichnet – eine Anerkennung, die im deutschsprachigen Raum oft weniger präsent ist als die Oscar-Geschichte, aber die internationale Wertschätzung des Films zusätzlich belegt.
Eine Randnotiz, die Filmhistoriker bis heute beschäftigt: Jonny Greenwoods Score wurde für den Oscar nominiert, aber zeitweise von der Wertung ausgeschlossen und schließlich doch nicht ausgezeichnet – obwohl die Musik des Radiohead-Gitarristen von vielen als einer der prägendsten Filmscores der 2000er Jahre gilt. Dissonant, bedrohlich, klassisch und industriell zugleich.
Kritik: Was macht den Film so außergewöhnlich?
Die Bewertungen sprechen eine eindeutige Sprache: 91 Prozent auf Rotten Tomatoes, ein Metacritic-Score von 92 von 100, 8,2 bei IMDb mit über 700.000 Stimmen, die Höchstwertung von 5,0 Sternen durch die Filmstarts-Redaktion. Solche Werte entstehen nicht durch Zufall.
Was Kritiker und Zuschauer gleichermaßen hervorheben, lässt sich auf drei Ebenen zusammenfassen:
- Die Darstellung von Daniel Day-Lewis: Plainview ist keine sympathische Figur, kein Antiheld mit verstecktem Herz. Er ist ein Mensch, der sich in seiner eigenen Gier aufgelöst hat. Day-Lewis spielt ihn mit einer archaischen Präsenz, die den Raum um sich herum zu verändern scheint – die berühmte Milkshake-Szene am Ende ist längst popkulturelle Referenz.
- Die Bildsprache Robert Elswits: Die weiten Einstellungen der Ölfelder, die Stille vor dem Bruch, das visuelle Gleichgewicht zwischen Landschaft und Mensch – Elswit fotografiert nicht Kalifornien, er fotografiert Einsamkeit.
- Das Thema als Langzeitdiagnose: Anderson adaptiert Upton Sinclairs Roman „Öl!“ nicht als historischen Stoff, sondern als Parabel. Die Fragen, die der Film stellt – über Kapitalismus, Glauben, Entfremdung und Macht – haben an Dringlichkeit nicht verloren.
Ein Detail, das selten erwähnt wird: Der Film hat keine klassische Antagonisten-Konstruktion. Eli Sunday ist kein Bösewicht, Plainview ist kein Held. Beide sind Varianten desselben Prinzips – Machtgier in unterschiedlichen Kostümen. Anderson inszeniert das nicht als Botschaft, sondern als Beobachtung. Das macht den Film so schwer zu vergessen.
Wer einen konventionellen Thriller oder ein rasantes Historiendrama erwartet, wird das Tempo als zäh empfinden – das ist keine falsche Wahrnehmung, sondern ein bewusstes Stilmittel. Der Film entfaltet seine Wirkung kumulativ, in langen, fast meditativen Blöcken. Er wurde für Zuschauer gemacht, die bereit sind, sich einzulassen.
Wo lässt sich There Will Be Blood heute streamen?
In Deutschland ist There Will Be Blood aktuell im Abonnement bei Paramount+ verfügbar. Daneben existieren reguläre Blu-ray- und DVD-Ausgaben im Handel, die sich besonders für eine qualitativ hochwertige Heimkino-Sichtung empfehlen – Robert Elswits Kameraarbeit, die Weitwinkelaufnahmen der Ölfelder und der Tonmix entfalten auf größeren Bildschirmen mit gutem Ton ihre volle Wirkung.
Für alle, die den Film in seiner ursprünglichen Sprache erleben möchten: Die Originalfassung ist auf Blu-ray und in den meisten Streaming-Versionen wählbar. Day-Lewis‘ Stimme und Sprachrhythmus sind ein eigenständiges Schauspielelement – die deutsche Synchronisation ist handwerklich solide, ersetzt aber nicht das Original.
Streaming-Lizenzen rotieren grundsätzlich; wer sichergehen will, ob der Film aktuell auch zum Leihen oder Kaufen bei Anbietern wie Prime Video, Apple TV oder Google Play verfügbar ist, findet in Vergleichsportalen wie JustWatch aktuelle Verfügbarkeiten in Echtzeit.
Häufige Fragen
Basiert There Will Be Blood auf einer wahren Geschichte?
Der Film ist keine Biografie, sondern eine freie Adaption des Romans „Öl!“ von Upton Sinclair aus dem Jahr 1927. Die Figur Daniel Plainview trägt Züge früher amerikanischer Ölmagnaten – darunter Edward Doheny, einer der einflussreichsten Ölpioniere Kaliforniens – ist aber keine direkte historische Person. Anderson nutzt das Setting des frühen 20. Jahrhunderts als Folie für eine universelle Parabel über Gier und Machthunger.
Warum gewann There Will Be Blood nicht den Oscar für den besten Film?
Im Jahrgang 2008 trat der Film gegen No Country for Old Men der Coen Brothers an – einen Film, der in ähnlicher Stärke abgeliefert hat und am Ende die wichtigsten Preise einstrich, darunter Bester Film und Beste Regie. Viele Filmkritiker bezeichnen diese Oscar-Saison als eine der stärksten der vergangenen Jahrzehnte, in der zwei außergewöhnliche Werke zeitgleich um dieselben Auszeichnungen konkurrierten. Daniel Day-Lewis hingegen war in dieser Konkurrenz unangefochten und gewann seinen zweiten Oscar als bester Hauptdarsteller.
Für wen ist There Will Be Blood geeignet – und für wen weniger?
Der Film richtet sich an Zuschauer, die psychologische Charakterstudien, langsames Erzählen und Autorenkino schätzen. Er enthält keine konventionelle Dramaturgie mit Spannungsbögen und Auflösungen im klassischen Sinn, sondern arbeitet atmosphärisch und kumulativ. Zuschauer, die Action, schnelle Schnitte oder eine klare Heldengeschichte erwarten, werden ihn als unzugänglich erleben. In Deutschland ist er mit FSK 12 eingestuft; die teils brutalen Szenen und die durchgehend düstere Atmosphäre machen ihn für jüngere oder empfindliche Zuschauer weniger geeignet.
