Kurzzusammenfassung
– 2021 war das Jahr, in dem Kinos schrittweise zurückkehrten – und sofort bewiesen, dass das Streaming-Intermezzo kein Dauerzustand sein würde.
– The Power of the Dog, Drive My Car und CODA lieferten das kritische Fundament eines starken Jahrgangs; Dune und Spider-Man: No Way Home brachten das Massenpublikum zurück in die Säle.
– Wer 2021 verpasst hat, hat einen der vielseitigsten Filmjahrgänge der jüngeren Geschichte übersehen – Arthouse und Blockbuster auf gleichem Niveau.
Zwischen Wiedereröffnung und Streaming-Boom: Was 2021 filmisch geprägt hat
2021 war kein normales Kinojahr – aber ein wichtiges. Die Säle öffneten wieder, zögernd zunächst, dann mit Nachdruck. Gleichzeitig hatten Netflix, Apple TV+ und Amazon bewiesen, dass prestigeträchtiges Kino auch auf dem Heimbildschirm funktioniert. Das Ergebnis war ein produktiver Wettbewerb: Verleiher und Plattformen übertrafen sich gegenseitig, und das Publikum profitierte. Selten waren starke Filme so zugänglich wie in diesem Jahr.
Arthouse trifft Weltklasse: The Power of the Dog, Drive My Car und Co.
Jane Campions The Power of the Dog ist der Film, über den 2021 am meisten geschrieben wurde – und das zu Recht. Benedict Cumberbatch spielt einen dominanten Rancher im Montana der 1920er Jahre, dessen Fassade langsam bröckelt. Campion gewann den Oscar für die beste Regie; der Film erhielt zwölf Nominierungen. Was bleibt: eine Studie über Männlichkeit, Verletzlichkeit und die Grausamkeit stiller Machtverhältnisse – selten so präzise verfilmt.
Drive My Car von Ryusuke Hamaguchi war die internationale Überraschung des Jahres. Drei Stunden, japanische Zurückhaltung, ein Bühnenregisseur, der mit Tschechows Onkel Wanja ringt – und trotzdem kein einziger langer Moment. Der Film gewann den Oscar für den besten internationalen Film und steht damit in einer Reihe mit den größten Arthouse-Werken der Dekade.
CODA (Apple TV+) gewann als erste reine Streaming-Produktion überhaupt den Oscar für den besten Film. Die Geschichte einer hörenden Tochter in einer gehörlosen Familie ist emotional direkt, nie manipulativ – und Troy Kotsur gewann als erster tauber Schauspieler überhaupt einen Oscar für die beste Nebenrolle.
Blockbuster zurück auf der Leinwand: Dune, No Time to Die und der Spider-Man-Effekt
Denis Villeneuves Dune war der Beweis, dass Science-Fiction-Kino im großen Format nicht durch Streaming ersetzbar ist. Die Verfilmung des ersten Teils von Frank Herberts Romanklassiker holte sechs Oscars – alle in technischen Kategorien, aber das war fair: Kamera, Schnitt, Musik und Sounddesign waren schlicht makellos. Wer Dune zuhause schaute, verpasste einen Film, der für die Kinoleinwand gebaut wurde.
No Time to Die verabschiedete Daniel Craig nach fünfzehn Jahren als James Bond – würdevoll, dunkel, mit einem Abschluss, der das Franchise dauerhaft verändert hat. Und Spider-Man: No Way Home wurde zum kulturellen Ereignis: rekordverdächtige Einspielergebnisse und – was selten passiert – echte emotionale Wirkung im Saal.
Welche Filme aus 2021 sind auch heute noch einen Abend wert?
Für anspruchsvolle Abende: Drive My Car und The Power of the Dog. Beide verlangen Aufmerksamkeit und belohnen sie großzügig. Für leichtere Stunden empfiehlt sich The Worst Person in the World, Joachim Triers norwegisches Generationenporträt über eine junge Frau in Oslo – warmherzig, klug und einer der unterschätzten Jahrgangshöhepunkte.
Wer noch nie Dune gesehen hat: am besten auf dem größtmöglichen Bildschirm. Der Film wurde 2024 mit einem zweiten Teil fortgesetzt – den Einstieg über Teil 1 zu machen ist keine Pflicht, aber ein Vergnügen.
Häufige Fragen
Welcher Film gewann 2022 den Oscar für den besten Film?
CODA von Sian Heder gewann bei den 94. Academy Awards den Oscar für den besten Film. Die Apple TV+-Produktion war damit die erste reine Streaming-Produktion, der diese Auszeichnung gelang – ein historischer Einschnitt für die gesamte Filmbranche.
War Dune 2021 ein vollständiger Film oder nur ein Teil?
Dune (2021) verfilmt nur die erste Hälfte des Romans von Frank Herbert und endet bewusst offen. Der zweite Teil erschien im März 2024 und wurde ebenfalls ein kritischer und kommerzieller Erfolg. Beide Teile zusammen ergeben das vollständige Epos.
Was ist der beste Film 2021 für Einsteiger ins Arthouse-Kino?
The Worst Person in the World von Joachim Trier ist ein idealer Einstiegspunkt: erzählerisch zugänglich, emotional greifbar und stilistisch eigenständig, ohne hermetisch zu wirken. Der Film wurde für den besten internationalen Film und das beste Originaldrehbuch nominiert und funktioniert auch ohne Vorkenntnisse im nordeuropäischen Autorenkino.
