Wenn ein Mann, der als Dominic Toretto Muscle-Cars durch Explosionen steuert und Schwerverbrecher mit bloßen Händen bezwingt, plötzlich Windeln wechselt und Gutenachtgeschichten vorliest, entsteht entweder ein Desaster oder eine funktionierende Komödie. „Der Babynator“ schafft das Zweite – zumindest solide genug, um das Publikum zu unterhalten und Vin Diesel einen neuen Karrieremodus zu eröffnen.
Kurzzusammenfassung
- „Der Babynator“ (Originaltitel: „The Pacifier“) ist eine US-amerikanische Actionkomödie aus dem Jahr 2005, in der Vin Diesel einen Navy SEAL spielt, der eine chaotische Kinderschar bewachen muss.
- Der Film lebt vom Kontrast zwischen Diesels bulligem Action-Image und der komödiantischen Hilflosigkeit gegenüber kleinen Kindern – eine Besetzungsentscheidung, die zum Kern des Humors wird.
- Trotz gemischter Kritiken wurde „The Pacifier“ an den Kinokassen ein solider Erfolg und ist heute auf mehreren Streaming-Plattformen abrufbar.
Handlung: Vom Schlachtfeld ins Kinderzimmer
Navy SEAL Shane Wolfe (Vin Diesel) scheitert bei einer Mission: Der Wissenschaftler Howard Plummer, den er schützen soll, kommt ums Leben. Als Wiedergutmachung – und weil der Geheimdienst ein Interesse am Verbleib einer geheimen Regierungsdiskette hat – wird Wolfe auf eine andere Art von Einsatz angesetzt: Er soll die fünf Kinder der Plummers bewachen, während deren Mutter (Faith Ford) nach Genf reist, um die Hinterlassenschaften ihres Mannes zu klären.
Was folgt, ist das klassische Rezept der Verwechslungskomödie: Der hartgesottene Soldat trifft auf ein Ensemble aus trotzigen Teenagern, überdrehten Kleinkindern und einem Säugling namens Zoe. Wolfe versucht, militärische Disziplin in den Haushalt zu bringen – mit vorhersehbar chaotischen Ergebnissen. Parallel läuft eine rudimentäre Agenten-Nebenhandlung, die dem Film wenigstens so etwas wie eine Plotstruktur gibt.
Besetzung: Diesel trägt den Film auf breiten Schultern
Vin Diesel übernimmt als Shane Wolfe die zentrale Rolle und ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Films. Seine körperliche Präsenz funktioniert als visueller Gag von selbst – ein Mann dieser Statur im Krabbelbereich ist eine Pointe, die keine weiteren Worte braucht. Diesels Timing ist für einen Actionstar überraschend sicher.
Die Besetzung im Überblick:
- Vin Diesel als Shane Wolfe, Navy SEAL und unfreiwilliger Kinderhüter
- Lauren Graham als Prinzipalin Claire Fletcher, Wolfes Gegenpol an der Schule der Kinder
- Faith Ford als Julie Plummer, die Mutter der fünf Kinder
- Brittany Snow als die rebellische Teenager-Tochter Zoe
- Max Thieriot als Seth, der schwierige älteste Sohn
- Brad Garrett als Wolfes Vorgesetzter Captain Bill Fawcett
- Carol Kane als die skurrile Haushälterin Helga
Besonders Carol Kane liefert mit ihrer absurden Darbietung als Helga einige der stärksten Szenen des Films – ein Beweis dafür, dass gute Nebenrollen eine mittelmäßige Haupthandlung erheblich aufwerten können.
Kritik: Zwischen Kalkül und Charme
Die Kritiken zu „The Pacifier“ fielen 2005 größtenteils verhalten aus. Auf Rotten Tomatoes erreicht der Film eine Zustimmungsrate von rund 25 Prozent bei den Kritikern – das Publikum dagegen bewertete ihn deutlich wohlwollender. Auf IMDb hält er stabile 5,5 von 10 Punkten, was ihn klar als Unterhaltungsware ohne Ambitionen auf künstlerischen Anspruch positioniert.
Das ist letztlich ehrlich: Regisseur Adam Shankman („Haarspray“) hat keine Karrierewende Diesels angestrebt, sondern einen familientauglichen Sommerspaß mit eingängiger Prämisse. Das funktioniert, weil der Film seine eigene Begrenztheit kennt. Er zielt nicht auf Tiefgang, setzt dafür konsequent auf das komödiantische Potenzial seines Stars und liefert genau das, was das Kinoposter verspricht.
Was Kritiker seinerzeit bemängelten: Die Agenten-Nebenhandlung wirkt aufgesetzt und bremst den Rhythmus. Die Kinder-Charaktere bleiben Schablonen. Und das Drehbuch – von Thomas Lennon und Robert Ben Garant – verlässt sich zu sehr auf Situationskomik, ohne die Figuren wirklich zu entwickeln.
Was hingegen funktioniert: die Chemie zwischen Diesel und Lauren Graham, Kanes exzentrische Energie und das schlichte Vergnügen, einen der härtesten Männer Hollywoods beim Puppenspielen zu beobachten. Manchmal reicht das.
Streaming und Verfügbarkeit in Deutschland
„Der Babynator“ ist heute auf mehreren Video-on-Demand-Plattformen verfügbar, darunter Amazon Prime Video, Apple TV und Google Play – jeweils als Kauf oder Leih-Titel. Die Verfügbarkeit im Abo-Streaming wechselt je nach Plattform-Zyklus, weshalb ein kurzer Blick auf die aktuellen Bibliotheken vor dem Abend-Screening empfehlenswert ist. Der Film ist in Deutschland in der deutschen Synchronfassung erhältlich, die Vin Diesels Stimme gewohnt sonor übersetzt.
Interessant aus heutiger Perspektive: „The Pacifier“ erschien in einer Phase, in der Hollywood systematisch Actionstars in Familienfilme überführte – man denke an Arnold Schwarzenegger in „Kindergarten Cop“ oder Dwayne Johnson, der dieses Modell später mit „Zahnfee auf Bewährung“ weiterführte. Diesel war damit Teil eines Trends, der zeigt, wie Studios das Markenimage von Stars gezielt dekonstruieren, um neue Zielgruppen zu erschließen. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 198 Millionen US-Dollar bei einem Budget von etwa 56 Millionen war das Kalkül aufgegangen – zumindest ökonomisch.
Häufige Fragen
Ist „Der Babynator“ für Kinder geeignet?
Ja, der Film trägt in Deutschland eine FSK-6-Freigabe und ist damit ausdrücklich familientauglich. Die Actionelemente sind harmlos, Gewalt wird allenfalls slapstick-artig angedeutet. Er eignet sich gut als Familienfilm für den gemeinsamen Abend, besonders für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren.
Gibt es eine Fortsetzung zu „The Pacifier“?
Eine offizielle Fortsetzung wurde nie produziert, obwohl der Kassenerfolg des Films durchaus Spielraum geboten hätte. Vin Diesel kehrte stattdessen zur „Fast & Furious“-Reihe zurück, die ab dem vierten Teil seinen Karrieremittelpunkt bildete. Pläne für ein Sequel wurden zwar diskutiert, aber nie konkretisiert.
Wo wurde „The Pacifier“ gedreht?
Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Kanada statt, hauptsächlich in und um Vancouver, British Columbia. Die Umgebung dient als Kulisse für die fiktive US-amerikanische Vorstadt, in der die Handlung angesiedelt ist – ein in Hollywood-Produktionen dieser Ära weit verbreitetes Produktionsmodell, das Steuervergünstigungen nutzte.
