Wer Tim Curry nur als den gruseligen Clown aus dem Fernsehfilm „Es“ kennt, hat erst einen Bruchteil seiner Karriere gesehen. Über fünf Jahrzehnte hat der britische Schauspieler ein Werk aufgebaut, das von Horrorklassikern über Familienkomödien bis hin zu Fantasieepen reicht. Was all diese Rollen verbindet: eine theatralische Intensität, die auf der Leinwand nicht zu übersehen ist. Curry spielt nie unauffällig. Er besetzt den Raum.
Kurzzusammenfassung
- Tim Curry zählt zu den unverwechselbarsten Charakterdarstellern der Film- und Fernsehgeschichte, dessen Rollen als Pennywise, Dr. Frank-N-Furter und der Herr der Dunkelheit bis heute Kultstatus genießen.
- Nach seinem Schlaganfall 2012 tritt er fast ausschließlich als Synchronsprecher in Erscheinung, während seine Klassiker aus den 1970er bis 2000er Jahren auf diversen Plattformen verfügbar sind.
- Neue Dokumentationen wie „Pennywise: The Story of It“ zeigen, dass das Interesse an seinem Schaffen ungebrochen ist und seine ikonischen Rollen auch zwei Generationen später neu entdeckt werden.
Der Weg zu den großen rollen
Currys internationaler Durchbruch kam 1975 mit einer Rolle, die für jeden anderen Schauspieler Karrierekiller hätte sein können. Als Dr. Frank-N-Furter in „The Rocky Horror Picture Show“ verkörperte er einen bisexuellen, exzentrischen Wissenschaftler im Korsett – und traf damit einen Nerv, der bis heute nicht abgeklungen ist. Der Film floppte zunächst an den Kinokassen, entwickelte sich aber zu einem der langlebigsten Kultfilme der Geschichte. Wöchentliche Mitternachtsvorstellungen mit Kostümen, Requisiten und Mitsingen laufen in einigen US-amerikanischen und britischen Städten seit mehr als 40 Jahren ununterbrochen.
Was Curry an dieser Rolle leistete, war keine Karikatur. Er spielte Frank-N-Furter mit einer Mischung aus Verführung, Verletzlichkeit und Wahnsinn, die den Charakter mehrdimensional machte. Diese Fähigkeit, Schurken und Außenseiterfiguren menschlich zu machen, wurde sein Markenzeichen.
Zehn Jahre später, 1985, bewies er mit „Legende“ unter Regie von Ridley Scott, dass diese Qualität auch unter mehreren Kilogramm Prosthetikmake-up nicht verlorengeht. Als Herr der Dunkelheit – ein gehörnter Dämon von beeindruckender visueller Wucht – spielte er an der Seite von Tom Cruise und verwandelte eine klassische Fantasygeschichte in einen visuell einprägsamen Albtraum. Die Maske gilt bis heute als eine der aufwendigsten der Filmgeschichte, und Currys Darstellung darunter ist der Hauptgrund, warum der Film trotz gemischter Kritiken seinen Platz im kollektiven Gedächtnis behalten hat.
Pennywise und die macht der Fernsehrolle
1990 folgte die Rolle, mit der er für viele Menschen bis heute untrennbar verbunden ist: Pennywise der tanzende Clown in der zweiteiligen TV-Adaption von Stephen Kings „Es“. Auf ein Budget und eine Produktion, die heutigen Maßstäben nicht standhalten würde, setzte Curry eine Leistung, die das Subgenre des Horror-Clowns dauerhaft prägte.
Interessant ist dabei ein oft übersehener Aspekt: Pennywise taucht in der Miniserie gemessen an der Gesamtlaufzeit erstaunlich selten auf. Was die Figur so einprägsam macht, ist nicht die Screentime, sondern das, was Curry in diesen wenigen Szenen an Bedrohlichkeit und perverser Verspieltheit aufbaut. Das Lachen, die Mimik, der Wechsel zwischen Locken und Drohen – das ist konzentrierte Darstellungskunst.
Als 2017 und 2019 die Kino-Neuverfilmungen mit Bill Skarsgård als Pennywise erschienen, war die Frage nach dem Verhältnis beider Interpretationen allgegenwärtig. Skarsgård wählt einen anderen Weg – fremder, weniger menschlich, körperlich verstörender. Doch die Referenz, an der er gemessen wurde, war und blieb Curry. Die Dokumentation „Pennywise: The Story of It“, die die Entstehung des Originals beleuchtet und Interviews mit Curry enthält, zeigt, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist.
Von Hollywood-Ensembles bis zur Synchronkabine
Zwischen den Horrorklassikern fand Curry Zeit für ein erstaunlich breites Spektrum. In „Kevin – Allein in New York“ (1992) spielte er den misstrauischen Concierge des Plaza Hotels – eine Nebenrolle, die er mit messerscharfer Komik ausstattete. Der Film ist ein Beispiel dafür, wie er auch in wenigen Minuten Screentime einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wer Macaulay Culkins Schlagfertigkeitsgefecht mit dem Hotel-Personal in Erinnerung hat, denkt unweigerlich an Currys genervten Gesichtsausdruck.
1993 folgte „Die drei Musketiere“, eine Abenteueradaption mit Charlie Sheen, Kiefer Sutherland und Chris O’Donnell. Curry spielte den intriganten Kardinal Richelieu und lieferte genau das, was dieser Film brauchte: einen Bösewicht, der sich seiner Böswilligkeit sichtlich erfreut. Der Film erhielt gemischte Kritiken, gilt aber als kurzweiliger Vertreter des 90er-Jahre-Abenteuergenres.
Nach seinem Schlaganfall 2012 verlagerte sich Currys Arbeit nahezu vollständig auf Synchronrollen. Das ist keine Einschränkung, die seinem Erbe schadet – seine Stimme allein trägt dieselbe charakteristische Qualität wie sein Gesicht. In Animationsserien wie „Randy Cunningham – Der Ninja aus der 9. Klasse“ oder im Animationsfilm „Prinz Ribbit“ (2014) ist er als Sprecher zu hören. Diese Arbeiten werden oft unterschätzt, dabei sind es nicht selten genau diese Rollen, mit denen eine neue Generation Curry zum ersten Mal begegnet.
Was diese Filmografie insgesamt auszeichnet, ist ihre Weigerung, sich auf ein Genre festzulegen. Curry hat Horror, Fantasy, Komödie, Abenteuer, Animation und Theater bedient – mal als Hauptdarsteller, mal als szenestehlendes Ensemble-Mitglied. Sein gemeinsamer Nenner ist nicht das Genre, sondern die Haltung: vollständige Präsenz, keine halben Sachen.
Für alle, die sein Werk (wieder) entdecken wollen: Die Klassiker sind als digitale Kauf- und Leihfilme verfügbar, wechseln aber regelmäßig zwischen den Plattformen. Eine aktuelle Suche über Portale wie JustWatch liefert den jeweils aktuellen Stand in Deutschland schneller als jede feste Liste.
Häufige fragen
Welche filme von Tim Curry sind für Einsteiger am besten geeignet?
Ein guter Einstieg sind „The Rocky Horror Picture Show“ (1975) als Kultfilm mit musikalischem Unterhaltungswert, „Es“ (1990) für das Horrorfach und „Kevin – Allein in New York“ (1992) für eine leichtere Variante seiner Komik. Wer Fantasiefilme bevorzugt, sollte „Legende“ (1985) nicht auslassen, allein schon wegen Currys imposanter Darstellung als Herr der Dunkelheit.
Ist Tim Curry aktuell noch in neuen Projekten tätig?
Nach seinem Schlaganfall 2012 ist Currys aktive Schauspielkarriere stark eingeschränkt. Er übernimmt seither fast ausschließlich Sprecherrollen in Animationsproduktionen sowie gelegentliche Auftritte in Dokumentationen. Zuletzt war er etwa in der Dokumentation „Pennywise: The Story of It“ zu sehen, die die Entstehung der Originalverfilmung von Stephen Kings „Es“ beleuchtet.
Hat Tim Curry im Kino-Remake von „Es“ mitgewirkt?
Nein. In den beiden Kinofilmen „Es: Kapitel 1″ (2017) und „Es: Kapitel 2″ (2019) übernahm der schwedische Schauspieler Bill Skarsgård die Rolle des Pennywise. Tim Curry ist ausschließlich in der TV-Miniserie von 1990 als Pennywise zu sehen. Beide Interpretationen werden von Fans und Kritikern als unterschiedliche, aber eigenständige Leistungen betrachtet.
